Liferay hat das neue CMS über mehrere Quartale hinweg entwickelt und schrittweise zugänglich gemacht. Wer die Funktionen bisher testen wollte, musste sie aktiv einschalten und damit rechnen, dass sich einzelne Details noch verändern.
Mit dem aktuellen Release wird das CMS regulärer Bestandteil des Produkts. Es wird offiziell unterstützt und bietet damit erstmals eine belastbare Grundlage für den Einsatz in Kundenprojekten.
Sein Aufbau orientiert sich besonders an den Anforderungen größerer Redaktionsorganisationen. Sogenannte Spaces bündeln Inhalte nach organisatorischen oder thematischen Kriterien und verfügen über eigene Mitglieder, Rollen und Einstellungen. Gleichzeitig lassen sie sich mit den Sites verbinden, auf denen die Inhalte ausgespielt werden.
Inhalte und Dateien werden über eine gemeinsame Oberfläche angelegt, bearbeitet, gesucht und gefiltert. Auch Vokabulare, Kategorien und Tags lassen sich zentral verwalten. Hinzu kommen eine Übersetzungsverwaltung und ein integrierter Papierkorb.
Für Organisationen, die ihre Inhalte bisher über mehrere Sites und Document Libraries verteilt pflegen, eröffnet das die Möglichkeit, Verantwortlichkeiten neu zu strukturieren. Ein Space kann beispielsweise eine Abteilung, eine Marke oder ein Land abbilden – unabhängig davon, auf welchen Sites die dort gepflegten Inhalte verwendet werden.
Governance mit konkretem betrieblichem Nutzen
Der größte Mehrwert liegt aus unserer Sicht nicht allein in der neuen Redaktionsoberfläche. Besonders relevant sind die zusätzlichen Funktionen für Steuerung, Kontrolle und Governance.
Autoren und Prüfer werden künftig darauf hingewiesen, wenn Inhalte demnächst ablaufen, bereits abgelaufen sind oder zur Überprüfung anstehen. Über passende Schnellfilter lassen sich die betroffenen Inhalte unmittelbar in der Übersicht anzeigen.
Wer Inhaltsaudits heute noch über Excel-Listen organisiert oder in regelmäßigen Abständen umfangreiche manuelle Sichtungsrunden durchführt, kann einen Teil dieser Arbeit künftig direkt an das System übergeben.
Auch die Rollenverwaltung wurde verbessert. Design Libraries, Spaces und Projekte basieren technisch auf derselben Grundlage. In der Vergangenheit führte das dazu, dass Administratoren bei der Rechtevergabe teilweise Rollen auswählen konnten, die im jeweiligen Kontext keine Wirkung hatten.
Rollen lassen sich nun gezielt einem dieser Kontexte zuordnen. Bei der Auswahl werden entsprechend nur noch die tatsächlich passenden Rollen angezeigt. Gerade in komplexen Berechtigungskonzepten mit vielen Beteiligten reduziert das eine wiederkehrende Fehlerquelle.
Ebenfalls in den Bereich Governance fällt das Teilen von Inhalten mit externen Personen. Inhalte können per E-Mail bereitgestellt werden, ohne dass die Empfänger ein Liferay-Konto benötigen. Der Zugriff ist zeitlich begrenzt.
Ein typischer Anwendungsfall sind externe Prüfer oder Auditoren, die für einen definierten Zeitraum Zugriff auf ausgewählte Dokumente erhalten sollen.
Verbesserungen für Projekte mit mehreren Umgebungen
Darüber hinaus enthält das Release zahlreiche kleinere, aber praxisrelevante Ergänzungen.
Content Structures lassen sich nun exportieren und importieren. Außerdem können External Reference Codes für Vokabulare bearbeitet werden. Das erleichtert den Wechsel zwischen verschiedenen Umgebungen und verhindert, dass API-Aufrufe aufgrund abweichender Referenzen ins Leere laufen.
Spaces können außerdem mit Site Templates verbunden werden. Neu angelegte Sites erhalten dadurch automatisch Zugriff auf zentral gepflegte Inhalte.
Weitere Verbesserungen für den redaktionellen Alltag sind:
- Sammelwiederherstellung von Inhalten und Ordnern aus dem Papierkorb
- Anzeige technischer Dateieigenschaften direkt in der Info-Leiste
- Erstellen und Bearbeiten von Collections aus dem Asset Publisher
- Mitgelieferte Systemvokabulare wie „Personas“ und „Funnel Stage“
- Warnungen beim Löschen bereits veröffentlichter Felder im Structure Editor
- Vorschauen für Space-Inhalte in Display Page Templates
- Vorschauen für Headless-Inhalte in externen Systemen
Jede dieser Funktionen ist für sich genommen eher eine Detailverbesserung. Zusammengenommen machen sie die tägliche Arbeit mit dem CMS jedoch spürbar konsistenter.
Wie positioniert sich Liferay gegenüber Headless-CMS?
In vielen Organisationen wird neben dem Portal ein spezialisiertes Headless-CMS eingesetzt – beispielsweise Contentful, Storyblok oder Strapi.
Diese Systeme spielen ihre Stärken vor allem dort aus, wo sie ursprünglich positioniert wurden: bei API-first-Architekturen, der schnellen Anbindung individueller Frontends, guten Entwicklerwerkzeugen und schlanken Redaktionsoberflächen.
Wird eine Marketing-Website von einem eigenen Frontend-Team betreut und benötigt sie keinen geschützten oder personalisierten Bereich, sind solche Lösungen weiterhin eine sinnvolle Wahl.
Der Unterschied wird deutlicher, sobald Inhalte und Anwendungen eng miteinander verbunden sind.
Liferay vereint Benutzer- und Rollenverwaltung, Authentifizierung, Suche, Formulare, Datenobjekte und redaktionelle Inhalte in einer Plattform. Inhalte und Daten aus Fachanwendungen können dadurch dasselbe Berechtigungsmodell nutzen.
Bei einer Architektur aus Portal und separatem CMS müssen dagegen häufig Benutzerinformationen synchronisiert und Berechtigungen in mehreren Systemen gepflegt werden. Hinzu kommt, dass Liferay Inhalte und Dateien gemeinsam verwaltet, während Dokumente bei reinen Headless-Lösungen häufig in ein zusätzliches Digital-Asset-Management-System ausgelagert werden.
Auch die neuen Governance-Funktionen spielen bei dieser Betrachtung eine wichtige Rolle. Prüftermine, Ablaufhinweise, kontextbezogene Rollen und zeitlich begrenzte Zugriffe für externe Personen sind besonders in regulierten Branchen und im öffentlichen Sektor relevant. Ohne integrierte Unterstützung müssen solche Anforderungen häufig durch Zusatzwerkzeuge oder manuelle Prozesse abgedeckt werden.
Gleichzeitig verabschiedet sich Liferay keineswegs vom Headless-Ansatz. Inhalte können weiterhin über REST- und GraphQL-Schnittstellen ausgespielt werden. Die neue Vorschaufunktion für Headless-Inhalte in externen Systemen zeigt zudem, dass entkoppelte Frontends ausdrücklich mitgedacht werden.
Damit wird ein Szenario zunehmend realistisch, das für viele Unternehmen interessant sein dürfte: ein individuelles Frontend – aber nur ein zentrales System für Inhalte, Benutzer und Berechtigungen.
Die Entwicklung über die Quartale hinweg
Über die Releases Q1, Q2 und Q3 hinweg entwickeln sich drei Bereiche besonders sichtbar weiter: die Integration von KI und MCP, die Marketing- und Vertriebswerkzeuge sowie das neue CMS.
Am CMS lässt sich der Release-Rhythmus besonders gut erkennen: Zunächst wurde es über mehrere Quartale hinweg hinter einem Feature Flag weiterentwickelt und mit jedem Release vervollständigt. Nun wird es zum regulären Bestandteil der Plattform.
Für Unternehmen, die das neue CMS ernsthaft einführen möchten, ist deshalb jetzt ein guter Zeitpunkt, es in einer Testumgebung mit realistischen Inhalten, Rollen und Berechtigungsszenarien zu evaluieren.
Denn erst unter realen Bedingungen zeigt sich, wie gut sich bestehende Redaktionsprozesse in Spaces übertragen lassen – und welche organisatorischen Veränderungen erforderlich sind, um das Potenzial der neuen Architektur tatsächlich auszuschöpfen.
Portalworks ist Liferay Service Partner für die DACH-Region und begleitet Portal-, CMS- und Upgrade-Projekte von der Architektur bis zum laufenden Betrieb.
